Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis




Pressemeldung

Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz vom 16.03.2016 - Nr. 053

Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz 2016 geht an Reinhard Kleist


Der Autor und Illustrator Reinhard Kleist erhält den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz für die im Carlsen Verlag erschienene Graphic Novel „Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar“. Die Jury unter Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm (Trier) hat das diesjährige Preisbuch aus 253 Titeln ausgewählt, die von 75  Verlagen eingereicht wurden. „Die wahre Geschichte der somalischen Leichtathletin Samia Yusuf Omar ist die Grundlage für das Preisbuch. Der Autor und Illustrator Reinhard Kleist hat in gestalterisch ganz außergewöhnlicher Weise das Schicksal der jungen Samia in Worte und Bilder gefasst“, so Weihbischof Robert Brahm.

Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wird in diesem Jahr zum 27.  Mal vergeben. Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg- Stuttgart), zeichnet den Preisträger am 11. Mai 2016 bei einem Festakt in Bamberg aus.

 

Zum Buch
Kein Pressefoto sorgte im Jahr 2015 für so viel Entsetzen und Betroffenheit wie das eines an den türkischen Strand gespülten, syrischen Jungen. Mit Aylan fand eine Individualisierung dessen statt, was bis dahin nur als „Massenflucht“ nach Europa und einem damit verbundenen, anonymisierten „Massensterben“ wahrgenommen wurde, sich nun aber in einem Bild „fortgespülter Menschlichkeit“ verfestigte.

Der deutsche Comic-Künstler Reinhard Kleist verzichtet auf den drastischen Realismus einer ähnlichen Szenerie und changiert am Ende seiner Graphic Novel zwischen der bedrängenden Enge auf einem viel zu kleinen Flüchtlingsboot und der Ausgesetztheit dieses Bootes in den Weiten des Mittelmeeres. Die bis dahin aus der Sicht der Protagonistin erzählte Geschichte wechselt in die Darstellung eines Nachrichtenformates und zeigt den somalischen Leichtathletikweltmeister Abdi Bile, der vom Tod der jungen Samia berichtet. Wie Bile war die Protagonistin Samia Yusuf Omar Läuferin und auch sie hat an den Olympischen Spielen teilgenommen. Als Außenseiterin zwischen hochtrainierten Vertreterinnen westlicher Leistungsgesellschaften ist sie in Peking mit größtmöglichem Zeitabstand zu allen anderen ins Ziel gegangen. In ihrem Antreten lag der Kern der Hoffnung auf ein erfülltes Leben.

Doch in einem Land, das seit mehr als zwei Jahrzehnten von einem radikal geführten Bürgerkrieg heimgesucht ist, stoßen die Träume der jungen Frau rasch an ihre Grenzen: In mit schwarzem Tuschestift gezeichneten Comicbildern (Panels) fallen Schatten auf die Gesichter der Figuren und beengen deren Handlungsräume. Indem in der Architektur der einzelnen Seiten das Aneinanderstellen dieser gerahmten Panels immer wieder durchbrochen wird, scheinen sich die Figuren Freiräume zu schaffen, stoßen jedoch stets an die Grenzen des Raumes und damit an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Die Bedrohung durch die militante islamistische Al-Shabaab-Bewegung erhält in dieser Bildgestaltung körperlichen Charakter und verdeutlicht, wie zwingend Samias Aufbruch ist. Die Bildanordnung zeigt von da an die einer Flucht implizite Bewegung durch den (geografischen) Raum: Das Vorankommen wird parallelisiert mit den zahllosen Hürden des beschwerlichen Weges. Angst und Gewaltakte werden in der plastischen Mimik der Gesichter verdichtet, Samias Einsamkeit und Verzweiflung in den vielfach entleerten Szenerien sichtbar.

Die genutzte Schwarz-Weiß-Technik sorgt dabei für das Gefühl, dass es letztlich kein Entkommen gibt – für Samia ebenso wenig wie für den Betrachter. Wegschauen, wie im Alltag der Nachrichtenflut, ist hier jedoch nicht möglich. Denn der Blick fällt nicht nur auf ein weltpolitisch oftmals vergessenes Kriegsszenario, sondern auch auf die weltwirtschaftliche Verantwortlichkeit westlicher Wohlstandsgesellschaften für die Ausbeutung der Ressourcen afrikanischer Länder.

Reinhard Kleist gestaltet auf eindringliche Weise eine Biografie im Comic-Format und fordert damit Mitgefühl und christliche Handlungsnotwendigkeit heraus. Er wählt das authentische Schicksal eines somalischen Mädchens, das auf der Flucht umgekommen ist. Letztlich bleibt Samia nur die Hoffnung auf einen Zieleinlauf in einen paradiesischen Urzustand. Gerade in diesem Schlussbild verfestigt sich die Mahnung an unser christlich verantwortetes Handeln.

Zum Autor
Reinhard Kleist, geboren 1970 in Hürth bei Köln, studierte Grafik und Design in Münster und lebt und arbeitet seit 1996 in Berlin.Kleist veröffentlichte zahlreiche Comics und Graphic Novels. Darüber hinaus war er als Artdirector für Trickfilme tätig. Er wurde für seine Werke bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter erhielt er den Max und Moritz-Preis für „Lovecraft“ (Ehapa) und für „Cash – I see a darkness“ (Carlsen). Mit der Biographie „Der Boxer“ des jüdischen Boxers Hertzko Haft gewann Reinhard Kleist 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Sachbuch“. Sein vorliegendes Werk „Der Traum von Olympia“ erschien in veränderter Fassung 2014 als Fortsetzungsgeschichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Das Preisbuch und die empfohlenen Bücher finden Sie hier.

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Preisträger seit 1979



  • 1979: Else Breen - Warte nicht auf einen Engel
              Kurt Hock - Telat sucht den Regenbogen

  • 1981: Willi Fährmann - Der lange Weg des Lukas B.
              Lene Mayer-Skumanz - Geschichten vom Bruder Franz

  • 1983: Max Bollinger - Euer Bruder Franz

  • 1985: Kätze Recheis - Die Stimme des Donnervogels
              Regine Schindler - ...und Sara lacht

  • 1987: Otfried Preußler - Der Engel mit der Pudelmütze
              Anatol Feid - Keine Angst, Maria

  • 1989: Sonia Levitin - Heimkehr nach Jerusalem

  • 1991: Max Bollinger - Das Buch der Schöpfung
              Geraldine McCaughrean - Gabriel und der Meisterspieler

  • 1993: Marethea Maartens - Tintenvogel

  • 1995: Peter Dickinson - Der brennende Dornbusch
              Lous Rascal/Joos - Oregons Reise

  • 1999: Henning Mankell - Das Geheimnis des Feuers

  • 2001: Elisabeth zöller - Anna rennt

  • 2002: Jutta Bauer - Opas Engel

  • 2003: Armin Greder - Die Insel

  • 2004: Hildegard Kretschmer - Wie Noah die Tiere gerettet hat

  • 2005: Jutta Richter - Hechtsommer

  • 2006: David Almond - Feuerschlucker

  • 2007: Empfehlungsliste (kein Preisbuch)

  • 2008: Michael Gerard Bauer - Running Man

  • 2009: Andreas Steinhöfel - Rico, Oscar und die Tieferschatten

  • 2010: Heinz Janisch, Linda Wolfsgruber - Wie war das am Anfang

  • 2011: Morris Gleitzman - Einmal

  • 2012: Anne-Laure Bondoux - Die Zeit der Wunder

  • 2013: Tamara Bach - Was vom Sommer übrig ist

  • 2014: Claude K. Dubois - Akim rennt

  • 2015: Stian Hole - Annas Himmel

 

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Geschichte des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises


Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wurde 1977 ins Leben gerufen. Der Anstoß kam von Willi Fährmann, der bereits am 11. Februar 1974 in einem Brief an den damaligen Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heinrich Tenhumberg, ein Zeichen erbat, das auf die Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur aufmerksam machen sollte. Außerdem bräuchten Verlage eine Ermutigung, Manuskripte zu veröffentlichen, die christlich orientierten Stoff beinhalten.

Diözesane Fachstellen für kirchliche Büchereiarbeit und die katholischen Büchereiverbände bemühten sich mit der Deutschen Bischofskonferenz um die Realisierung des Anliegens. Einer entsprechenden Empfehlung der Publizistischen Kommission schloss sich der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz am 29. August 1977 an und richtete offiziell die zunächst „Katholischer Kinderbuchpreis“ genannte Auszeichnung ein, die „herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der religiösen Kinderliteratur“ fördern sollte. 1979 wurde der Preis erstmals verliehen.

Seither erfreut sich die Auszeichnung immer größerer Beliebtheit. 1995 erweiterte die Deutsche Bischofskonferenz den Titel in „Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis“, vier Jahre später wurde ein jährlicher Verleihmodus festgelegt. Seitdem ist der Preis mit 5.000 Euro dotiert.

Die Entscheidung über den Preisträger trifft der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz auf Empfehlung einer neunköpfigen Jury, zu der u.a. Vertreter des Borromäusvereins, des St. Michaelsbundes, des Deutschen Katechetenvereins und des katholischen Buchhandels gehören. Fachkundige Persönlichkeiten, davon eine aus dem deutschsprachigen Ausland, sind ebenfalls Mitglieder der Jury.

Im Jahr 1999 ist auch die Zielsetzung des Preises erweitert worden. Ausgezeichnet werden Bücher, die „beispielhaft und altersgemäß christliche Lebenshaltungen verdeutlichen, religiöse Erfahrungen vermitteln und Glaubenswissen erschließen“. Die prämierten „Werke sollen das Zusammenleben von Gemeinschaften, Religionen und Kulturen fördern. Dabei muss die transzendente und damit religiöse Dimension erkennbar sein“.

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Die Preisträgerstatuette


Seit 1997 wird der Preisträgerin/dem Preisträger des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises eine in Bronze gegossene Statuette übergeben. Die Idee für die Kleinplastik hatte 1981 der Bildhauer Karl Franke. Damals wurde der erste Guss von einem Gipsmodell erstellt, der jedoch aufgrund zahlreicher Aufträge des Künstlers nicht weiter verfolgt werden konnte. Franke starb im Mai 1996. Im väterlichen Nachlass wurde das Gipsmodell des Objektes gefunden. Michael Franke schuf 1997 mit dem Wachsausschmelzverfahren die Statuette neu.

„Die Lesende“ ist in ihren einfachen, linearen und nahezu unaufdringlichen Formen von der Mataré-schule beeinflusst. Sie soll die innere

Ruhe und Gelassenheit jener zeigen, die zum Buch als guter Lektüre greifen. Lesen kann spannend und entspannend sein: das drückt die verschränkte Haltung der Beine ebenso aus wie der schräge und damit Interesse signalisierende Kopf. Franke, der in allen seinen Werken versuchte, Bewegung und Dynamik mit der von Mataré gelehrten Einfachheit der Formen zu verbinden, hat in der Lesenden eine Kleinplastik geschaffen, die – trotz ihrer geringen Größe – genügend Ausdruckskraft besitzt. Diese Absicht wird besonders durch den konzentrierten und auf das Buch fixierten Gesichtsausdruck unterstrichen.

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Die Jury

 

Vorsitzender der Jury

  • Weihbischof Robert Brahm (seit 2008)

 

Mitglieder der Jury

  • Ute Auweiler (seit 2014)

  • Jun.-Prof. Dr. Norbert Brieden (seit 2015)

  • Gabriele Cramer (seit 2007)

  • Cornelia Klöter (seit 2013)

  • Bettina Kraemer (seit 2011)

  • Prof. Dr. Georg Langenhorst (seit 2011)

  • Dr. Heidi Lexe (seit 2010)

  • Sylivia Müller (seit 2012)

  • Dr. Klara Asako Sarholz (seit 2013)

Geschäftsführerin der Jury

  • Lina Brockhaus (seit 2012)

 

Ehemalige Jurymitglieder

  • Dr. Dorothea Bemmann (1983 bis 1989)

  • Dr. Hans Bemmann (1977 bis 1989)

  • Dr. Andreas Bode (1995 bis 2007)

  • Dr. Monika Born (1989 bis 2001)

  • Inge Cevela (2005 bis 2010)
  • Prof. Dr. Ottilie Dinges (1978 bis 1995)

  • Dr. Gabriele Dreßing (2001 bis 2013)

  • Margarete Eichhorn (2001 bis 2009)
  • Monika Fromme (1977 bis 1983)

  • Prof. Dr. Hans Gärtner (1989 bis 1995)

  • Manfred Herold (1981 bis 1995)

  • Dorothee Hölscher (1999 bis 2007)

  • Dr. Erich Jooß (1977 bis 1989)

  • Rudolf Kiendl (1995 bis 1999)

  • Prof. Dr. Hermann Kirchhoff (1982 bis 1995)

  • Susanne Kriesmer (2009 bis 2014)
  • Prof. Dr. Günter Lange (1977 bis 1981)

  • Christa Martenaar (2005 bis 2013)
  • Franz W. Niehl (1995 bis 1999)

  • Mechthild Nippgen (1995 bis 1999)

  • Horst Patenge (2001 - 2011)

  • Msgr. Vinzenz Platz (1977 bis 1980)

  • Angelika Rockenbach (1999 bis 2011)
  • Nicola Saul (1999 bis 2001)

  • Stefan Schohe (1995 bis 2005)

  • Herbert Stangl (1989 bis 2001)

  • Stefanie Uphues (2010 bis 2015)

  • Gabriele Übler (2009 bis 2013)
  • Magister Gertie Wagerer (1995 bis 2001)

  • Bettina Wegenast (2001 bis 2002)

  • Gabriela Wenke (2002 bis 2005)

  • Anna-Yvonne Winkler-Benders (2007 bis 2010)

 

Ehemalige Vorsitzende der Jury

  • Bischof Manfred Müller (1977 bis 1987)

  • Weihbischof Werner Radspieler (1987 bis 1999)

  • Weihbischof Thomas Maria Renz (1999 bis 2008)

 

Ehemalige Geschäftsführer der Jury

  • Johannes Fischer (1979 bis 1987)

  • Dr. Peter Hasenberg (1996 bis 1997)

  • Matthias Kopp (1997 bis 2003)

  • Rolf Pitsch (1987 bis 1996)

  • Dr. Ute Stenert (seit 2003 bis 2012)

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