Pressespiegel

 


 
Nachbericht Laacher Forum mit Pater Nikodemus

Nachbericht Laacher Forum mit Fidelis Ruppert

Nachbericht Laacher Forum mit Aiman Mazyek

Nachbericht Laacher Forum mit Martin Schleske

Nachbericht Laacher Forum mit Schwester Jordana

Nachbericht Laacher Forum mit Manfred Spitzer

Vorbericht Laacher Forum Frühjahr 2016

Nachbericht Laacher Forum mit Manfred Lütz

Nachbericht Laacher Forum mit Robert Rauh

Bericht "Bücher aus Maria Laach sagen Willkommen"


Nachbericht "Weihnachtliche Konzertlesung"

Nachbericht Laacher Forum mit Notker Wolf OSB

Nachbericht Laacher Forum mit Michael Winterhoff




Heiner Geißler: Eine reformatorische Stimme im Laacher Forum


 
„Was müsste Luther heute sagen?“, so das Thema von Dr. Heiner Geißler. Der mit 86 Jahren immer noch streitbare ehemalige CDU-Generalsekretär, Jesuitenschüler und Katholik provozierte und begeisterte im Laacher Forum; ein sehr persönlicher, subjektiver Blick auf den Reformator Martin Luther und auf die Kirchen.

Mit 19 Jahren trat Heiner Geißler in den Jesuitenorden ein, dem er nach drei Jahren Noviziat die drei Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam versprechen sollte. „Zwei von den Gelübden konnte ich nicht halten. Und es war nicht die Armut.“ In diesem Sinne sprach sich der Referent für die Abschaffung des Zölibats aus. Dieser Forderung stehe allerdings die Kurie entgegen, für Geißler der „Erzfeind der Katholischen Kirche“. Luther, so der Referent, sei in dieser Frage fortschrittlicher gewesen als die heutige Katholische Kirche. Doch Luther litt unter starker „Sündenangst“, bis zu seiner „Erleuchtung“, dass „Jesus doch der liebende, barmherzige Gott“ ist. „Die Rettung aus der Sünde fand er in Christus. Luther erkannte im gekreuzigten Jesus den gnädigen, gütigen Gott.“ Für Luther akzeptiert Gott keine frommen Leistungen, sondern nur den Glauben, „sola fides“. Luther habe Christus in den Vordergrund gerückt und die Vermittlung durch die Kurie oder durch Maria abgelehnt.
Geißler widersprach dem Reformator in einem Punkt und kritisierte die Erbsündenlehre, nach der unser menschlicher Wille zum Bösen geneigt und nicht mehr frei sei. Für Geißler muss diese Lehre „im nächsten Jahr von beiden Kirchen beerdigt werden“, da diese den Menschen entmündige und nicht dem Bild vom modernen, freien Menschen entspreche, ein Menschen- und Gottesbild, das dem heutigen, modernen Menschen nicht mehr zu vermitteln sei. Ohne Erbsünde freilich, so wird man einwenden dürfen, würde nicht der Mensch, sondern der doch gute Gott zum Auslöser aller bösen Dinge.

Theologisch stark dagegen Geißlers Antwort auf die Frage: „Wo war Gott beispielsweise in Auschwitz? Das Christentum hat eigentlich eine schöne Antwort: So sehr liebt Gott Mensch und Welt, dass er sich selbst in Gestalt seines Sohnes Mensch werden ließ und alle Qualen genauso erlebt hat. Gott hat sich solidarisch erwiesen mit all den anderen.“

Zur Frage nach Gott meinte der Referent: „Ob Gott existiert, das können wir nicht wissen. Aber wir können es glauben. Man darf den Menschen diesen Glauben nicht nehmen. Wir würden die Menschheit ins Unglück stürzen.“ Damit aber hat der Glaube eine in erster Linie humanistische und soziale Funktion. Heiner Geißler nennt Christus einen „großen Menschen“. Aber reicht das? Ebenso löst er die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl ohne die Frage nach den theologischen Unterschieden zu stellen, dafür aber mit einem emotionalen Appell: „Wenn alle Christen ein und dieselbe Taufe haben, müssen sie auch dasselbe Abendmahl miteinander feiern.“ Schade, dass der Referent nach seinem Vortrag keinen Raum zur Diskussion ließ. So bleibt die Frage offen, inwieweit eine nach seinen Ideen reformierte Katholische Kirche sich noch römisch-katholisch nennen könnte bzw. eine in seinem Sinne reformierte Evangelische Kirche noch lutherisch wäre?
Heiner Geißler sprach mit der Autorität Martin Luthers; auch stellt er eine Verbindung zwischen dem Reformator und Papst Franziskus her. Geißler möchte die Kirchenspaltung überwinden. Sein Wunsch, die Begegnung mit Christus prinzipiell ins Zentrum des Glaubens zu rücken, entspricht sowohl Martin Luther als auch Papst Franziskus und dem Willen beider Kirchen.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Von „religiösen Hooligans“ und wahren Frommen im Heiligen Land

Leben zwischen Israel und Palästina: Pater Nikodemus Schnabel im Laacher Forum


 
Politisch spannend war der Abschluss des Laacher Forums im Frühjahr 2016 mit Pater Nikodemus Schnabel OSB von der Abtei Dormitio im Niemandsland zwischen Israel und Palästina. Pater Albert Sieger OSB wies bei seiner Begrüßung auf eine historische Verbindung beider Klöster hin, war „Maria Laach doch bei der Gründung der Benediktinerabtei nicht ganz unbeteiligt.“

Auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung angereist, sprach Pater Nikodemus humorvoll vom Mit- und Gegeneinander der Religionen, von Feindseligkeit und Toleranz. Sein Konvent lebt im Heiligen Land zwischen und mit einer jüdischen und palästinensischen Welt. In der Kirchengemeinde wird Englisch, Arabisch oder Deutsch gesprochen, darunter auch Familien mit einem palästinensischen Vater und einer katholische Mutter oder mit einer israelischen Mutter und einem katholischen Vater. Als Pressesprecher des Klosters, Schnabel muss immer wieder wegen negativer Ereignisse vor die Kameras, freute er sich, in Maria Laach von seinen jüdischen und muslimischen Freunden „schwärmen zu können“. Dabei ist es nicht leicht, Seelsorger zwischen den Fronten zu sein, auf der einen Seite Israel, auf der anderen Palästina. Der Benediktinerpater möchte sich nicht auf eine Seite schlagen. „Beide haben absolut Recht“, sagte er ganz diplomatisch und fügte hinzu: „Wenn ich mich auf eine Seite schlagen würde, würde ich 50 Prozent meiner Gemeinde verlieren.“ Und der Referent entwickelte ein anderes Bild: „Jerusalem ist nie bezaubernder wie vor Sonnenaufgang um 5 Uhr morgens, wenn Menschen in der Frühe im Seelenfrieden und reifer Gelassenheit vor Gott hintreten, um zu beten: Christen, Muslime und Juden, gläubige Frühaufsteher aller drei Religionen, der selbe Typ, nur anders gekleidet.“ Was für ein anderes Bild, anders als Religion und Gewalt. „Religion hat mit Gewalt nichts zu tun, das nervt mich. Wahre Religion ist Gottsuche, mit Gott ringen, zweifeln.“ Und Pater Nikodemus verglich die Religion mit einer Fußballmannschaft, deren echten Fans „die wahren Religiösen“ sind. „Hooligans haben auch was mit Fußball zu tun, doch sie missbrauchen den Fußball.“ So werde auch die Religion von „religiösen Hooligans“ missbraucht, die religiöse Symbole als Accessoires nutzen. „Wenn ich gebetet habe, habe ich kein Bedürfnis, jemanden anzuspucken“, führte der Seelsorger aus.

Die Anschlagswelle in Israel habe zu einer Solidaritätswelle unter Juden, Moslems und Christen geführt. „Hass und Gewalt wollen sie sähen. Und wir ernten Freundschaften, die wir früher nicht hatten.“ Gerade ultraorthodoxe Juden, die er als tieffromm und unpolitisch bezeichnete, suchen immer wieder den Dialog mit dem Benediktinerpater. Den Tempelberg würden Ultraorthodoxe schon aus religiösen Gründen niemals betreten. Nur Nationalreligiöse provozieren und gehen auf dem Tempelberg. Als Pater Schnabel drei sich unbeobachtet fühlende Siedlerjugendliche sah, wie sie bei jedem Glockenschlag der Kirche ausspuckten, wurde ihm klar, dass ihr Verhalten nicht nur mit Provokation zu tun hat. Vielmehr seien es „in ihrem Hass Gefangene, die aus ihrer Haut nicht heraus können.“ Nicht die wirklich Frommen sind das Problem, sondern auf Krawall gebürstete „religiöse Hooligans“, Anhänger eines national-religiösen Systems. „Beim Glaube geht es um Gott und nicht um Identitätssuche“, verdeutlichte der Benediktiner. Und er forderte mehr Verantwortung der Religionsführer ein, die sich „mit den Jugendlichen gemeinsam auf den Weg der Gottsuche“ machen sollten.
Pater Nikodemus Schnabel OSB in Maria Laach zeichnete ein spannendes Bild von Jerusalem, abseits der Medienwahrheit so, wie wir es noch nicht kennen. Eine wichtige Stimme im interreligiösen Dialog, die gehört werden sollte.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Psalmen als Quellen der Gelassenheit im Laacher Forum entdeckt

Altabt Fidelis Ruppert aus Münsterschwarzach tauchte ein in die jüdische Spiritualität



Für Altabt Fidelis Ruppert OSB von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach und sein Thema „Gelassenheit im Trubel des Lebens – Mit den Psalmen Kraft für den Alltag finden“ hatten die Benediktiner von Maria Laach mit der Aula der Abtei einen altehrwürdigen Ort gewählt. Pater Albert Sieger OSB begrüßte seinen Mitbruder und nannte Gelassenheit eine Haltung, „die sich im Trubel bewährt“ und die wir gut gebrauchen können. Es ist schon bemerkenswert, so Altabt Fidelis Ruppert, dass sich die christlichen Mönche als Gebetbuch eine jüdische Gebetsammlung auswählten, die nicht nur in der Liturgie eine Rolle spielt. Ihre Wirkung erhalten die 150 Psalmen, wenn sich Mönche, passend zu ihrer Situation - ob Traurigkeit, Angst oder Dankbarkeit - einen Psalm oder einzelne Verse auswählen, Vertrauensworte, die sich in der Wiederholung in der Seele verankern und zu immer tieferem Gottvertrauen führen. Diese Praxis begleitet die Christen bis heute durch den Alltag. Und Pater Fidelis bemerkte aus eigener Erfahrung: „Wenn man die Texte liest, dann merkt man: Das hat was mit mir zu tun.“ Da Bücher bis zum Beginn der Neuzeit teuer waren, lernten die Mönche die Texte auswendig. Durch ständige Wiederholung gingen sie ihnen in Fleisch und Blut über. „Alles was wir verinnerlichen, prägt uns“, so der Referent zu dieser Praxis. Und er zitierte Dorothee Sölle, die vom „Psalmen essen“ sprach: „Psalmen sind für mich eines der wichtigsten Lebensmittel, sie sind für mich wie Brot.“ Man müsse nicht alle Psalmen lieben, sollte jedoch immer wieder jene Texte wiederholen, aus denen Kraft kommt, riet der Benediktiner im Laacher Forum. Schließlich seien es Texte, die die Freiheit vergrößern, ein „Ja“ oder „Nein“ zu sagen. Die alten Mönche nutzten sie als Waffe im geistigen Kampf, zur „inneren Auseinandersetzung mit dem eigenen Durcheinander“ mit dem Ziel, „dass es in der Seele heller wird“, so der Altabt von Münsterschwarzach. Und er verdeutlichte den zielführenden inneren Kampf am Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, Jesu Worte am Kreuz. Der Psalm oszilliert immer wieder zwischen Klage und Lobpreis. So erinnert etwa der Psalmist, wie Gott den Vätern geholfen hat, um dann zu klagen: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und vom Volk verachtet.“ 22,6 Und auch diese Klage kippt, geht über in kindliches Vertrauen: „Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog …. Vom Mutterleib an bist du mein Gott.“ 22,10f. Wie Wellen wechseln Klage und Vertrauen. „Er jammert nicht, sondern sagt es Gott direkt“, erklärte Fidelis Ruppert, der in den sich nur anscheinend widersprechenden Aussagen eine „Gebetspsychologie“ ausmacht, wie sie bereits in der Eröffnungszeile in der direkten Ansprache Gottes deutlich wird. Nach all diesen durchlebten Höhen und Tiefen endet der Klagepsalm, erinnernd an alle Heilstaten, im Lobpreis. Altabt Fidelis Ruppert OSB: „Der Beter muss sich durch die Bilder des Schreckens erst hindurchbeten. Nach dem Kampf findet er inneren Frieden, auch wenn die Probleme noch nicht gelöst sind.“ Sein Glaube ist tiefer geworden. „Lasse ich mich von der Angst beherrschen, oder gelingt es mir, mich an positive Erfahrungen zu erinnern“, fragte der Benediktinerpater und zitierte eine indianische Parabel, die von zwei Wölfen in unserem Inneren spricht, einem sanften und einem, der negative Gefühle auslöst: „Welcher Wolf gewinnt? Es ist der, den ich füttere. Die negativen Gefühle können wir nicht totschlagen, aber wir können die positiven Dinge füttern.“ Einem seiner Exerzitienteilnehmer sei durch die Geschichte klar geworden, dass er sich ins Negative verrannt, „oft den falschen Wolf gefüttert“ habe. Pater Fidelis Ruppert: „Worauf konzentriere ich meine Aufmerksamkeit? Was ich füttere, das wächst in meiner Seele.“ Auch im dunkelsten Psalm 88, in dem Gott nicht antwortet und der in der Finsternis verdämmert, bleibt der Beter mit Gott im Gespräch. Altabt Fidelis Ruppert: „Ist das noch Gebet? Ich glaube schon. Schön, dass die Bibel uns ein Gebet auch ohne Happyend anbietet.“ Und der Altabt erinnerte an Karl Rahner, der mit Blick auf die „schweigende Unbegreiflichkeit Gottes“ von einem „Schweben zwischen Ja und Nein“ sprach. Schließlich seien „die Rätsel Gottes oft befriedigender als die billigen Lösungen der Menschen.“ Altabt Fidelis Ruppert verdeutlichte in seinem Vortrag die Aktualität der Psalmen und machte auch modernen Menschen Lust, diesen Schatz zu heben, fürs eigene Leben zu nutzen und so Gelassenheit zu gewinnen.

 Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Aiman Mazyek warb um Verständnis für Muslime

Vorsitzender des Zentralrates der Muslime im Laacher Forum zu Gast

„Es ist wichtig, den Dialog unter den Religionen zu fördern“, so Matthias Wilken, Geschäftsführer der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, der Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, im Laacher Forum herzlich willkommen hieß. Unter dem Motto „Was machen Muslime an Weihnachten?“ sprach Sascha Hellen mit Aiman Mazyek über das Leben muslimischer Mitbürger in Deutschland.



Vieles scheint Deutschen immer noch fremd, auch wenn Muslime und Christen Tür an Tür nebeneinander wohnen. „Positiv ist, dass heute mehr über den Islam berichtet wird, negativ, dass man Terroristen zu Vertretern des Islams macht“, führte Aiman Mazyek aus und meinte: „Was Leute über den Islam glauben, hat wenig mit dem Islam zu tun.“ In dieser Situation sei der Dialog sehr wichtig, der gerade mit den Kirchen gut laufe. Die muslimische Community habe ihre Sprache gewonnen. Unterstützend wirkten die Kirchen bei der Beschneidungsdebatte, und auch Muslime und Juden hatten in dieser Frage eng zusammengearbeitet. Die drei monotheistischen Religionen stehen zusammen gegen Säkularisierung und für Religionsfreiheit. Da ergab sich die Frage, ob syrische Flüchtlinge die deutsche Gesellschaft möglicherweise islamistisch radikalisieren. Aiman Mazyek: „Religiös gesehen gab es in Syrien immer einen ausgewogenen Islam. Was sie von uns unterscheidet, ist, dass sie in einer Diktatur aufgewachsen sind. Auch die Russlanddeutschen mussten sich in der Freizügigkeit erst zurechtfinden. Aber das ist weniger eine religiöse Herausforderung.“ In Syrien gab es die Trennung zwischen Religion und Staat. Allerdings räumte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime ein, dass ein mitgebrachter Antisemitismus aufgearbeitet werden müsse. Jeder vierte in Deutschland Lebende habe Migrationshintergrund, so Aiman Mazyek: „Das macht Deutschland bunt und hat das Land längst verändert, ganz selbstverständlich, ohne dass man ständig mit dem Bekenntnis herumlaufen muss.“ Andererseits gebe es auf muslimischer Seite genügend Stichwortgeber, die für ein schlechtes Image des Islam sorgen. Aiman Mazyek stellt sich in der öffentlichen Diskussion gegen eine Gleichstellung von Islam und Islamismus und wehrt sich gegen eine Verrohung und Hass, die in Anschlägen und Gewalttaten gipfeln. Was solle er als gebürtiger Aachner tun, wenn Extreme zu ihm sagen, „gehen sie zurück in ihr Land“? In dieser angespannten Situation macht sich seine Familie mehr Sorgen, als er selbst. Von Sascha Hellen auf das Kopftuch angesprochen, steht Mazyek für die „Freiheit, es zu tragen oder nicht. Meine Frau trägt kein Kopftuch, aber ich kann auch ein ganz verkappter Islamist sein.“ Und er räumte ein, dass einige Vertreter seiner Religion Frauen unterdrücken: „Diese Dinge müssen wir benennen, gerade als Moslems.“ Auch kulturelle Unterschiede, je nach Herkunftsland, machte Mazyek aus. Allerdings seien die muslimischen Bürger in einem Prozess und „die ethnische Pluralität wird zurückgehen.“ Der gemeinsame Nenner ist Deutschland, und Muslime werden immer deutscher. Unterschiede, etwa zwischen Schiiten und Sunniten, werden bestehen bleiben, wobei auch diese religiösen Ausrichtungen in einen Dialog treten können. „Wir werden uns zusammenraufen.“ Auf die Kölner Silvesternacht angesprochen, bezeichnete der Referent die Taten „als Todsünde und kriminellen Akt“ und warnte gleichzeitig, die Ereignisse im Urteil „religiös zu überfrachten“ und „alles in einen Topf“ zu werfen. „Die Taten haben eine ganze Religionsgruppe und Flüchtlinge beschämt.“ Im Diskurs mit dem Islam sollte mehr zwischen Tradition, Kultur und Religion unterschieden werden, wünschte sich Aiman Mazyek. Und was tun Moslems an Weihnachten? Viele haben einen Weihnachtsbaum und sie nutzen die freien Tage z.B. zu Vereinstreffen. Sein eigenes religiöses Leben bezeichnete der Aachener mit syrischen Wurzeln als „traditionell“ und ergänzte: „Die politische Definition lehne ich ab.“ Um die Alltagskultur deutscher Moslems besser verstehen zu können, riet Aiman Mazyek im Laacher Forum zur Begegnung: „Trauen sie sich, auf die Leute zuzugehen.“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Auf der Suche nach dem heilsamen Klang und dem Geheimnis Gottes

Mystische Einsichten des Geigenbaumeisters Martin Schleske im Laacher Forum



Mit noch intensiveren Einsichten und Einblicken in sein Schaffen war der Geigenbaumeister Martin Schleske zum zweiten Mal auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung im Laacher Forum zu Gast. Weitaus nachdenklicher tauchte der Referent in die Geheimnisse Gottes ein: „Nur die Dinge, die wir leben, werden uns zu Lehrern, zu Lebensquellen. Und man muss sie erleiden.“ Weltbekannte Musiker spielen seine Instrumente, doch das Wichtigste ist ihm nicht der Geigenbau, sondern die damit verbundene Inspiration, die Suche nach dem heilsamen Klang und nach dem Geheimnis Gottes. Beim Arbeiten werden Schleske Zusammenhänge zwischen Leben und Glauben neu bewusst. Im Klosterforum gab er faszinierende Gleichnisse zu Inspiration, Kreativität, Gebet, Schönheit, Mystik und Seele, wobei er auch diesmal von den beiden norditalienischen Tälern sprach, in denen schon der Holzhändler und Geigenbauer Antonio Giacomo Stradivari seine Klanghölzer fand. Bäume, die bei uns in 50 Jahren zur vollen Größe wachsen, brauchen dort wegen der kurzen Sommer 300 Jahre. Nur 14 von 3000 Bäumen entwickeln diesen erstaunlichen Klang, wie der Referent an einem mitgebrachten Stück Sängerholz demonstrierte. Bescheiden fügte er hinzu: „Den großen Klang verdanke ich dem Holz. Aber der Meister muss dem Holz gerecht werden.“ So suche Gott, wie er uns zum Klingen bringe. Diese Zuneigung zum Instrument brauche auch der Musiker: „Nur eine Geige, die er liebt, kann klingen. Man hört einem Musiker an, ob er ein Diener ist oder sich nur für toll hält.“

In einer poetischen, außergewöhnlichen Sprache, die dem normalen Konsumenten etwas abverlangen und auf die man sich einlassen muss, lässt uns der Geigenbauer an seinen tiefen, mystischen Erkenntnissen teilhaben. Denn Martin Schleske spricht in Bildern: Wie der Musiker sein Instrument spielt, so werden auch wir Menschen von Gott gespielt und bringen den Klang des Lebens. „Sind Bäume, Pflanzen, Steine, Menschen nicht Musik, die eine sichtbare Form angenommen hat? Es ist die Musik der Gottesliebe.“ Aber der Mensch, so Martin Schleske, muss mitwirken: „Dass Du Deine eigene Seele führen musst, kann Dir kein Mensch abnehmen. Ein guter und weiser Therapeut wird nie ersetzen, was ich mir selbst sein und werden soll: ein Freund meiner Seele. Alles spricht zu Dir. Und was sprichst Du Deiner Seele zu?“ Gleichnishaft erzählte der Geigenbauer, wie schwer es für ihn sei, mit einem stumpfen Messer zu arbeiten: „Wenn ich dieses Erlebnis aus der Werkstatt mit den Augen des Herzens sehe, werden mir mehrere Dinge des inneren Lebens deutlich. Es kostet ungeheure Kraft und ermüdet unsere Seele, wenn wir mit einem abgestumpften Herzen leben – einem Herzen, das durch Enttäuschungen, Resignation, Bitterkeit oder Sorgen stumpf geworden ist.“ Diese Anstrengung kommt für ihn „aus der Verwahrlosung des Herzens, sie kommt“, auch wieder bildlich gesprochen, „aus der Stumpfheit des Werkzeugs, mit dem wir die Welt berühren. Für ein stumpfes Herz klingt alles gleich, das Gefühl für Stimmigkeit geht verloren. Wir atmen, ohne es zu merken.“ Nicht das Eisen trage die Schuld, dass es stumpf werde. Vielmehr mute sich das Leben uns zu, und diese Zumutung verändert unser Herz. Und er folgert in symbolischer Sprache, also im übertragenen Sinn: Es gebe Menschen, die sich schärfen lassen und solche, die sich nicht schärfen lassen. Die Würde des Menschen aber sei, dass er umkehren können, so der Referent im Laacher Forum: „Noch mehr Kraft aufzubringen, ist nicht die Lösung, sondern dass wir uns stimmen, schärfen lassen.“ Martin Schleske – Geigenbauer, moderne Mystiker und Poet – beeindruckte im Laacher Forum mit seinen tiefführenden, bildhaften Einsichten und erreichte in seiner Authentizität selbst religiös unmusikalischere Zuhörer.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Eine Playmobil-Nonne, ein Spielzeugauto und eine authentische Ordensfrau

Schwester Jordana im Laacher Forum berichtete von den Höhen und Tiefen eines Klosterlebens


 

Eine Playmobil-Nonne und ihre alte Ente als Spielzeugauto hat Sr. Jordana Schmidt OP auch beim Vortrag in Maria Laach mit dabei. Und sie erzählt von ihrem Leben, in dem diese Ente und ihre Ordenstracht eine besondere Rolle spielen, eine ganz persönliche Berufungsgeschichte von der Party ins hessische Kinderdorf. Als sie ins Kloster ging, verschenkte sie alles, auch ihre heißgeliebte Ente. Doch der Weg zu den Dominikanerinnen von Bethanien und zu ihrer Aufgabe als Kinderdorfmutter sollte über Umwege mit allen Höhen und Tiefen führen. Schwester Jordana: „Viele Frauen haben aufgeschrieben, warum sie ihren Orden verlassen haben. Das habe ich nicht getan. Ich zähle zu den Schwestern, die sagen: ‚Ich bin noch drin – trotz allem‘, und das ist eine völlig andere Perspektive. Letztlich ist es ein Plädoyer fürs Aushalten, fürs Mitmischen, für den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, selbst wenn andere Menschen oder Institutionen einem Steine in den Weg legen.“ Ihr geht es um das Thema Berufung und sie bekennt: „Ich bin immer noch gerne im Orden.“ Im Laacher Forum versucht sie auch, falsche, klischeehafte Vorstellungen von weltabgewandten Ordensleuten gerade zu rücken: „Früher vermutete ich, dass in Klöstern unzufriedene Männer und Frauen den ganzen Tag beteten, um der Welt zu entfliehen. Heute muss ich über solche Klischees schmunzeln, insbesondere dann, wenn andere mir genau von solchen Gemeinplätzen erzählen, die ich selbst einmal vertrat. Sie stimmen weitgehend nicht, halten sich aber hartnäckig.“
Schwester Jordanas Berufung war der Ordensberuf, wobei jede Entscheidung auch mit Ängsten verbunden ist. Ihre erste Zeit in einem dänischen Kloster erlebte sie als beglückend. Alles war anders, alles war neu. Dann kam es zu ersten Schwierigkeiten in der jungen Gemeinschaft, der Ton wurde rauer und es gab immer weniger Freiheiten. Hatte eine Schwester ein Porzellanstück zerbrochen, musste sie vor allen Mitschwestern auf dem harten Steinboden knien und „Buße tun“. Mit niemandem konnte Schwester Jordana über ihre Zweifel an der Klosterleitung sprechen. In den Freizeiten verhinderte die Oberin durch ständige Anwesenheit den Austausch. Drei Jahre später durften die Schwestern nicht einmal mehr mit Gästen sprechen, und jeder Brief musste der Oberin vorgelegt werden, weshalb Schwester Jordana in ihrer Post nichts Wichtiges oder Kritisches schrieb: „Meinetwegen war ich eine Gefangene Gottes, aber war es richtig, dass ich zugleich eine Gefangene meiner Oberin war?“ Bei begangenen „Fehlern“ mussten sich die Schwestern öffentlich vor ihren Mitschwestern anklagen. Schwester Jordana bezeichnet diese Praxis als „Tribunale, in denen die schonungslosesten Selbstanklagen in den höchsten Tönen belobigt wurden“, für die Oberin ein „machtvolles Kontrollinstrument“. Das Kloster wurde wie eine Sekte geleitet, so Schwester Jordana. Nach ihr traten noch andere Schwestern aus und beschwerten sich an höchster Stelle. Schwester Jordana: „Ich möchte Menschen ermutigen, sich zu wehren, die in einer ähnlichen Situation leben. Egal ob in der Kirche oder woanders.“ Letztlich hatten es die ausgetretenen Ordensschwestern geschafft, das schlechte Machtsystem zu zerschlagen. Schwester Jordana blieb Ordensschwester, wechselte aber den Orden. Auf ihre Zeit in Dänemark blickt sie heute „versöhnt zurück. Die Jahre in Dänemark haben mein Leben verändert und geprägt – doch ich habe mich entschieden, sie in mein Leben zu integrieren. Ich habe gelernt, sie als Zeit zu betrachten, die mich stark gemacht hat.“

Am Donnerstag, 19. Mai 2016, um 20:00 Uhr, diesmal in der Aula der Abtei, wird Altabt Fidelis Ruppert OSB von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach über die Psalmen als Quellen der Gelassenheit sprechen. „Gelassenheit ist – gerade heute, wo der Trubel des Alltags uns oft zu überrollen droht – ein hohes Gut. Wir alle können eine Portion Gelassenheit in unserem Leben gebrauchen, sehnen uns oft danach“, so der Altabt.
Mit P. Nikodemus Schnabel OSB endet das Laacher Forum im Frühjahr 2016 am 24. Mai im Klosterforum. P. Nikodemus wird von seinem Leben in der Abtei Dormitio im Niemandsland zwischen Israel und Palästina berichten. Was für die meisten bestenfalls wie aufregender Abenteuerurlaub und schlimmstenfalls wie Krieg klingt, ist für die Mönche der Dormitio-Abtei vor allem eins: Alltag. Der Benediktiner nimmt seine Zuhörer mit in einen verrückten Alltag zwischen Feindseligkeit und echter Freundschaft.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Manfred Spitzer im Laacher Forum

„Digitale Technik ist ein massiver Anschlag auf die Kindheit“

Wenn wir im Schnitt alle sieben Minuten unsere Smartphone bedienen, Mails checken und mobil surfen, hinterlassen wir nicht nur digitale Spuren. Auch in unserem Gehirn bilden sich Gebrauchsspuren, die krank machen können. „Cyberkrank!“ lautete der Vortrag, zu dem die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach den re­nommierten Hirnforscher Professor Dr. Manfred Spitzer gewinnen konnte, Professor an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III in Ulm und Autor des Bestsellers „Digitale Demenz“.



Gleich zu Beginn räumte der Referent im Laacher Forum mit der Vorstellung auf, das Gehirn mit einem Computer gleichzusetzen. Wer ein Instrument, eine Fremdsprache, eine handwerkliche Fähigkeit beherrscht, wird ein weiteres Instrument, eine neue Sprache, eine andere handwerkliche Fähigkeit leichter erlernen. Und die Lernbegabung wächst mit jeder weiteren Fähigkeit, die wir uns hinzu aneignen, ob im musischen, sprachlichen oder handwerklichen Bereich. Die Festplatte wird also nicht voll, sondern erweitert sich durch ständiges Training. Durch die ständige Nutzung gleicher Hirnbahnen verbessert sich die Leitung der Impulse. In den ersten zwei Jahrzehnten entwickeln sich Gehirne im Austausch mit der Umwelt, erklärte Manfred Spitzer: „Laufen lernt das Kind von Fall zu Fall. Und unsere Muttersprache eigneten wir uns an, ohne Grammatik zu pauken. Viele unserer geistigen Leistungen macht unser Gehirn für uns. Unser Gehirn hat eine verrückte Eigenschaft: Je mehr schon drin ist, desto mehr passt noch rein.“ Die Tatsache, dass sich unser Gehirn durch seine Nutzung ändert und verbessert, sei immer mehr in Vergessenheit geraten, so der Referent, ebenso die Tatsache, dass wir etwas wissen müssen, um mit der Datenmenge im Netz zurecht zu kommen: „Suchmaschinen können sie nur dann bedienen, wenn sie was wissen. Wenn Sie gar nichts wissen, haben Sie auch keine Frage, dann googeln Sie sowieso nicht. Aber wenn Sie ein bisschen was wissen und fangen an zu googeln, haben Sie ganz schlechte Karten. Denn Sie müssen ja Ihr Vorwissen nutzen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn Sie im Bereich Medizin googeln, ist es gut, vorher Medizin studiert zu haben. Und das gilt für jeden Bereich, ob als Autohändler, ob als Klempner. Es gibt richtig Gutes auf Wikipedia, aber es gibt auch viel Blödsinn. Googeln bringt demjenigen was, der sich gut auskennt.“ Gegen die voranschreitende Vernetzung im Bildungssystem führte der Referent mehrere Studien an: „Niemand wird schlauer durch Computer an der Schule. Die schwachen Schüler werden schlechter und die guten nicht besser.“ Wissenschaftliche Studien haben herausgefunden, dass sich Studenten bei Vorlesungen, wenn sie per Hand mitschreiben, mehr merken als diejenigen, die die gleichen Inhalte per Tastatur in ihren Computer tippen. Eine britische Studie mit 130.000 Schülern an 90 Schulen konnte feststellen, dass sich die Durchschnittsnoten nach einem Handyverbot verbesserten. Und Spitzer führte seinen Zuhörern die Bedeutung des Wortes „begreifen“ vor Augen. Nobelpreisträger würden sich von anderen Menschen lediglich darin unterscheiden, dass sie in ihrer Kindheit mehr Bauklötze gehabt hätten. Manfred Spitzer: „Das menschliche Gehirn muss sich in den ersten zwei Lebensjahrzehnten noch entwickeln. Ein Bildschirm und ein Lautsprecher ist ja im Vergleich zur realen Welt eine Verarmung. Da ist nichts zum Anfassen. Wenn ich nur wische, lerne ich nicht, dass ich ein Glas anders anfasse als einen Malstift. Jeder Vierjährige kann das, es sei denn, er hat die ersten Lebensjahre nur mit Wischen verbracht. Man muss ja die komplexen Bewegungen erlernen.“ Das Begreifen der Gegenstände hilft Kindern, darüber nachzudenken, nicht das Vorführen und Hinweisen auf Bildschirmen. Aus diesem Grund warnt Spitzer vor einer Digitalisierung von Kindergärten, Schulen und Kinderzimmern: „Eine erdrückende Lobby – bestehend aus einer Allianz von Herstellern, Medienmachern und vielen Medienpädagogen – verspricht uns täglich das goldene Zeitalter der Bildung durch digitale Technik. Fakt hingegen ist, dass digitale Technik einen massiven Anschlag auf die Kindheit durch die Einschränkung der Sinne und der körperlichen Bewegung darstellt, den es abzuwehren gilt. Die Aufgabe von Eltern und Erziehern kann daher nur darin bestehen, die Kinder vor digitalen Medien zu schützen!“

Am Freitag, 6. Mai 2016, um 20:00 Uhr wird der Geigenbaumeister Martin Schleske im Laacher Forum mit seinen Zuhörern nach dem Klang des Lebens lauschen.

„Was machen Muslime an Weihnachten?“ fragt Aiman Mazyek am Freitag, 13. Mai 2016, im Klosterforum.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Mit dem Frühling kommt das Laacher Forum

Manfred Spitzer eröffnet Reihe am 18. April im Klosterforum Maria Laach
 

Im Frühling sprießen die Blätter und es entfalten sich auch, von zwei Buchdeckeln geschützt, viele noch zu lesende Blätter. Eine Auswahl spannender, interessanter und informativer Neuerscheinungen und ihre Autoren stellt das Laacher Forum 2016 vor.
Den Anfang macht am Montag, 18. April 2016, um 20:00 Uhr Manfred Spitzer, den die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach zum ersten Mal im Klosterforum begrüßen darf. Für den Professor an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III in Ulm, Autor des Bestsellers „Digitale Demenz“, steht fest: „Die fortschreitende Digitalisierung bedroht unsere Gesundheit.“ Cyberkrank macht, wenn wir den digitalen Medien die Kontrolle aller Lebensbereiche überantworten, stundenlang Online Games spielen und in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Dem bedeutenden Gehirnforscher und Mediziner begegnen in der Praxis immer wieder alarmierende Krankheitsmuster. Manfred Spitzer erklärt, wie wir uns schützen können, denn der Verzicht auf digitale Medien ist nicht die Lösung.
„Ente zu verschenken“ lautet das Thema am Montag, 25. April 2016. Ab 20:00 Uhr wird Sr. Jordana Schmidt OP, Diplom-Heilpädagogin und Familientherapeutin, im Klosterforum ihre ganz persönlichen Berufungsgeschichte erzählen, wie  sie ihren Weg von der Party ins hessische Kinderdorf fand und schließlich Dominikanerin und Kinderdorfmutter wurde. „Ins Kloster? Aber du bist doch so sympathisch!“ Diese und ähnliche Sätze hörte Sr. Jordana oft, nachdem sie im Bekanntenkreis ihren Entschluss mitgeteilt hatte, ins Kloster zu gehen. Ihre Antwort war klar und eindeutig: „Für Gott nur das Beste!“ Sr. Jordana arbeitete einige Jahre als Sprecherin des Wortes zum Sonntag und wurde vielen Fernsehzuschauern durch eine ZDF-Dokumentation aus dem Heiligen Land bekannt.
Zum zweiten Mal konnte die Buch- und Kunsthandlung den Geigenbaumeister Martin Schleske fürs Laacher Forum gewinnen, der am Freitag, 6. Mai 2016, mit seinen Zuhörern nach den Klang des Lebens lauschen wird. Im Vortrag „Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens“ begibt sich Schleske auf die Suche nach dem perfekten Klang und dem Geheimnis Gottes.
Bei einem Blick vom Kirchturm werden auch andere Religionsgemeinschaften sichtbar. In diesem Sinne stellt Aiman Mazyek am Freitag, 13. Mai 2016, um 20.00 Uhr die Frage, „Was machen Muslime an Weihnachten?“ Im Gespräch mit Sascha Hellen wird der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime seinen Zuhörern die Alltagskultur des Islams in Deutschland näher bringen und erzählen, wann und wie sie ihre Feste feiern.
Am Donnerstag, 19. Mai 2016, um 20:00 Uhr, diesmal in der Aula der Abtei, wird Altabt Fidelis Ruppert OSB von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach über die Psalmen als Quellen der Gelassenheit sprechen. „Gelassenheit ist – gerade heute, wo der Trubel des Alltags uns oft zu überrollen droht – ein hohes Gut. Wir alle können eine Portion Gelassenheit in unserem Leben brauchen, sehnen uns oft danach“, so der Altabt. Die wunderbaren Texte aus dem Alten Testament sind zeitlos und können auch bei den kleinen und großen Turbulenzen des Lebens im 21. Jahrhundert weiterhelfen.
Mit einem spannenden Vortrag endet das Laacher Forum im Frühjahr 2016 am 24. Mai im Klosterforum. Dann wird P. Nikodemus Schnabel OSB von seinem Leben in der Abtei Dormitio im Niemandsland zwischen Israel und Palästina berichten. Was für die meisten bestenfalls wie aufregender Abenteuerurlaub und schlimmstenfalls wie Krieg klingt, ist für die Mönche der Dormitio-Abtei vor allem eins: Alltag. Pater Nikodemus nimmt seine Zuhörer mit in einen verrückten Alltag zwischen Feindseligkeit und echter Freundschaft – von beiden Seiten.
 
Kartenvorverkauf und Nachfragen:
 
Buch- und Kunsthandlung Maria Laach
56653 Maria Laach
Telefon: 02652-593-65
www.maria-laach-buchhandlung.de
E-Mail: buchhandlung@maria-laach.de

  Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Humor und Tiefgang im Laacher Forum mit Manfred Lütz



„Unvermeidlich glücklich – Eine Psychologie des Gelingens“ lautete der Vortrag, zum dem die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach den Mediziner, Psychiater, Psychotherapeuten und Theologen Dr. Manfred Lütz ins Laacher Forum eingeladen hatte. Und „Unvermeidlich glücklich“ zeigten sich auch die zahlreichen Zuhörer im vollbesetzten Klosterforum, denn der Referent führte humorvoll und mit Tiefgang durch diesen amüsanten Abend. „Dass Sie alle hier aus dem Wald gekommen sind“, frotzelte er gleich zu Beginn sein Publikum, das ihn auch diesmal zu humoristischer Höchstform antrieb. Manfred Lütz will den zahlreichen Ratgebern zum Glücklich sein keinen weiteren hinzufügen: „Manches spricht sogar dafür, dass eine Gesellschaft umso unglücklicher ist, je mehr über das Glück geschrieben wird.“ Wer Liebe oder Glück zu definieren versucht, zerstört sie. Lütz entlehnt seine Erkenntnisse der Psychologie, Philosophie und Theologie und schlägt interdisziplinär einen Bogen von der Antike bis heute. Allein ein „positives Denken“ reiche nicht aus, denn menschlichen Grenzsituationen wie Krankheit, Trennung und Tod sind unvermeidlich. Zudem gebe es Menschen, die schon heute nicht glücklich sind, weil sie befürchteten, dass einem der Teppich unter den Füßen weggezogen wird. Und der Referent zitierte Platon, der die ständige Sorge um Gesundheit auch als eine Krankheit bezeichnete. Bei ständiger Sorge verpassen wir unsere Glücksmomente und nehmen diese erst im Nachhinein als solche wahr. Dabei wollen alle Menschen glücklich sein, stellte bereits Aristoteles fest. „Glück“ sei etwas anderes als „Erfolg“. Und es meint auch nicht die materiellen Dinge, führte Manfred Lütz im Laacher Forum aus: „Erfolg ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass man ein gelungenes Leben hat.“ In diesem Sinne riet er auch seinen Töchtern: „Ich wünsche euch viel Glück im Leben, aber keinen Erfolg. Ihr sollt eure Fähigkeiten einsetzen. Ob ihr Erfolg habt, weiß der liebe Gott. Mozart und Kafka waren nicht erfolgreich. Und Columbus wusste bis zu seinem Tod nicht, dass er Amerika entdeckt hatte.“ Stalin sei auf seine Weise erfolgreich gewesen, aber glücklich? „Die Vorstellung von der Machbarkeit des Glücks macht unglücklich“, erklärte Manfred Lütz. Und er warnte davor, sich mit anderen zu vergleichen, da man dabei immer schlechter abschneide: „Eigentlich müssten wir eine glückliche Gesellschaft sein, doch die glücklichsten Menschen leben in Bangladesch. Möglicherweise betreiben wir in Deutschland viel Aufwand, unglücklich zu sein.“ Für den Psychotherapeuten hat Glück nichts mit einem „Egotrip“ zu tun, und es gehe auch nicht darum, Glücksgefühle zu evozieren, wie etwa Drogenabhängige meinen. Manfred Lütz: „Wenn Glück etwas Äußeres wäre, müssten Ochsen, die genug zu essen haben, glücklich werden. Glück auf Glücksgefühle zu reduzieren, ist Schwachsinn.“ Wichtig zur Erlangung des Glücks sei die „Muße“, erklärte der Referent ganz im Sinne Aristoteles: „Muße braucht man zum wahren Glück, also völlig zwecklos, aber höchst sinnvoll verbrachte, intensiv gelebte Zeit, in der man über die Welt und die Menschen nachdenkt.“ Aber es gibt auch Leiden, Schuld, Kampf und Tod. In der christlichen Philosophie findet Dr. Lütz eine Antwort: „Der Mensch ist geschaffen, um glücklich zu werden, das ist ein Gedanke des Augustinus, der das Denken des ganzen Mittelalters beherrschen wird und der Dietrich Bonhoeffer im KZ aufrechterhalten hat. ‚Wer Gott sucht, hat einen gnädigen Gott, und jeder, der einen gnädigen Gott hat, ist glücklich. Glücklich ist also auch der, der sucht‘, schreibt Augustinus.“ An Gott gebunden, wird es möglich, noch im Leid Sinn zu erfahren. Und wer einen Sinn hat, kann noch im Leiden, selbst im Tod glücklich sein. Manfred Lütz: „Leiden ist unvermeidlich, und es zeigte sich, dass man im Leiden glücklich sein kann. Wenn das aber so ist, dann kann man tatsächlich unvermeidlich glücklich werden.“

 Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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„Deutschlands beliebtester Lehrer“ im Laacher Forum

Robert Rauh warb für Beziehungskultur zwischen Lehrern und Schülern


 

Auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach machte „Deutschlands beliebtester Lehrer in Maria Laach“ Station. Robert Rauh betrachtet die ihm 2013 verliehene Auszeichnung mit Humor, stehen doch Tag für Tag viele Lehrer auch aggressiven, demotivierten Schülern gegenüber: „Der beliebteste oder beste Lehrer, das kann es nicht geben.“ Rauhs erste Stelle war seine Feuertaufe vor provozierenden Jugendlichen, die wegen Drogen von der Schule, von zu Hause rausgeflogen waren oder die Schule abgebrochen hatten, „alles Jugendliche, die sich als Loser sahen“, eine Mischung aus Pubertät, Resignation und Wut. Schüler Salko sollte es ihm besonders schwer machen: „.In der ersten Unterrichtsstunde im August 1998 reichte ein kurzer Wortwechsel und wir standen uns wie zwei Kampfhähne gegenüber, der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund und der deutsche Studienrat mit Einser-Examen.“ Nach zwei Wochen „zwischen Resignation und Wutausbruch“ machte Rauh seinen Frust zum Thema des Unterrichts und ließ die Schüler aufschreiben, welche Ziele sie mit ihrer Teilnahme verfolgen. Auch sie wollten den Realschulabschluss. Und Robert Rauh verblüffte die Übereinstimmung bei den Mitteln: „Die Jugendlichen hatten aufgeschrieben, dass sie eine intensive Unterstützung durch den Lehrer benötigen, dass Aufgabenstellungen mehrmals erklärt und sie bei einem Fehler nicht gleich als Loser betitelt werden wollen.“ Auch Rauh wollte Unterstützung geben, sie zum Realschulabschluss führen. Im Gegenzug forderte er regelmäßige Anwesenheit und Disziplin. Auch auf Salkos Wunsch nach „Unterstützung“, ihn jeden Morgen per Handy aus dem Bett zu klingen, ging der junge Lehrer ein: „Und so klingelte ich fast ein Jahr lang Salko und mindestens drei andere Lehrgangsteilnehmer aus dem Bett. Ich wollte den Jugendlichen verdeutlichen, dass ich es ernst meinte, und dass ich sie ernst nahm. Es war noch nichts erreicht, aber es entspannte zum ersten Mal die Situation in der Klasse.“ Ihm wurde auch klar, dass er den gesamten Unterricht auf seine Schüler abstimmen musste. „In Unterricht begann ich nun zu erklären, warum ich was mache. Transparenz herzustellen gehört bis heute zu meinem grundlegenden Lehrverständnis.“ Auch gab er ihnen die Möglichkeit, zweimal ohne Hausaufgaben in den Unterricht zu kommen und ebenso, sich zweimal von der mündlichen Mitarbeit zu „befreien“, ohne dass ein Grund – Liebeskummer oder Ärger zu Hause – hätte genannt werden müssen. Die beiden „Joker“ ersparten Rauh abenteuerliche Ausreden der Schüler und er erreichte, dass sie immer am Unterricht teilnahmen, da unzureichende Vorbereitung nicht zu schlechten Noten führte. Mit den beiden „Jokern“ verbesserte sich das Klima. Robert Rauh: „Die wenigsten nehmen das Angebot überhaupt an. Es reicht vielen offenbar die Gewissheit, sie hätten im Notfall die Möglichkeit. Mit dieser Option signalisierte ich den Schülern, dass wir nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander für ein gemeinsames Ziel.“ Ungewöhnlich auch, dass er den Schülern die Semesterpläne aushändigte und Kriterien für eine gute Note nannte. Beides gab den Schülern Orientierung, sodass sie sich besser auf ihre Klausuren vorbereiten konnten. Rauh fragte seine Schüler, wie sie lernen und erklärte ihnen, warum er was von ihnen verlange. Es war ein Perspektivenwechsel, der es dem jungen Lehrer ermöglichte, die Welt mit den Augen der Jugendlichen zu sehen. Dabei gelang es ihm, ein Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Lehrer aufzubauen: „Wir erreichen zusammen den optimalen Lernerfolg.“ Robert Rauh bedauerte es, dass am Ende nur acht der 17 Schüler den Abschluss schafften. Sein Rektor aber freute sich, hatte sich doch die Erfolgsquote seiner Einrichtung deutlich erhöht.
Robert Rauh gab bei seinem Vortrag in Maria Laach keine zu kopierenden Patenrezepte mit auf den Weg. Doch riet er Pädagogen zu einer „Beziehungskultur“: Schülern immer auf Augenhöhe begegnen, auf sie hören, zuhören können und immer authentisch sein.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Bücher aus Maria Laach sagen Willkommen

Ökumenische Flüchtlingshilfe dankt im Namen der Flüchtlinge für Weihnachtsgeschenke
 




Unter dem Motto „Bücher sagen willkommen“ steht in der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach ein Büchertisch mit Bibeln in Deutsch und Arabisch, Rosenkränzen, Weihnachts-CDs, Wörterbüchern, Wissensbüchern für kleine und größere Kinder, Bilderbüchern und vielen Wörterbüchern. Kunden konnten die Bücher zur Weitergabe an Flüchtlinge kaufen oder erwerben und selbst verschenken beziehungsweise mit einer Geldspende das Laacher Buchprojekt unterstützen. „Vor allem Wörterbücher wurden viel gekauft, Bücher im Wert von insgesamt 200 Euro. Und unsere Kunden haben 80 Euro gespendet, sodass wir weiteren, namentlich benannten Flüchtlingen zu Weihnachten eine kleine Freude machen können“, so Birgit Kneip, Leiterin der Abteilung Bücher in Maria Laach.
Maria Müller von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr e.V. bedankte sich auch im Namen der Flüchtlinge herzlich bei allen Kunden und Mitarbeiterinnen der Buch- und Kunsthandlung für die vielen Geschenke: „Die Flüchtlinge werden sich freuen! Viele, die koptischen oder eritreisch-orthodoxen Christen sind, feiern Weihnachten am Dreikönigstag.“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Himmlische Harfe und adventliche Texte in Maria Laach

Laacher Mönche und Harfenistin Ulla van Daelen boten besinnlich-heitere Konzertlesung
 


Ganz ohne Werbung mussten für diese bereits dritte Konzertlesung mehr als 100 Stühle in die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach gestellt werden. Das rechte Ambiente für die Ausnahme-Harfenistin Ulla van Daelen und die Laacher Mönchen – Bruder Jakobus, Bruder Marianus und Pater Philipp – die Heiliges und Heiteres mit Humor und Tiefgang zur Aufführung brachten. „Zeige uns Deine Barmherzigkeit, Herr, und gewähre uns Dein Heil“, zitierte Pater Philipp den innigen Psalm 84, der unsere Sehnsucht nach Erlösung in Worte fasst. Bruder Jakobus und Bruder Marianus zeigten mit zwei Texten von Hermann Hesse, dass sich auch weltliche Literatur mit religiösen Themen beschäftigt. Dann flirrte die Harfe. Dynamisch und träumerisch führte Ulla van Daelen auch musikalisch aus der Hektik des Alltags in den Advent. Ruhig und tief ihre Interpretation von „Maria durch ein Dornwald ging“.
Und Pater Philipp erzählte, wie es zum Brauch des Tannenbaums gekommen war. Bruder Jakobus, Bruder Marianus und Pater Philipp hatten viele besinnliche Texte von Wilfried Schumacher, Michail Lermontow, Anselm Grün und Elsa Lasker Schüler ausgesucht. Ein weiterer Höhepunkt war das von Ulla von Daelen musikalisch untermalte Gedicht von Friedrich von Vegesack, von Pater Philipp in Szene gesetzt: „Hinter den Wolken, irgendwo weit, sitzt ein kleiner Engel und zerschneidet die Zeit. Was bleibt von der Zeit? Was bleibt dir und mir? Was bleibt? Was bleibt uns Allen? Viele kleine Schnipsel Papier, die in Gottes Papierkorb fallen.“
Nachdenklich und zum Schmunzeln stimmte Ludwig Thomas Schulaufsatz „Über den Krieg“, vorgetragen von Bruder Marianus. Mit „Wann endlich“ präsentierte Bruder Jakobus ein wunderschönes Gedicht von Pater Drutmar Cremer aus Maria Laach, der an diesem Abend selbst anwesend war. Mit einem Gedicht von Pierre Stutz und „Maria“ von Bertold Brecht beendeten Bruder Marianus und Pater Philipp den ersten Teil.
Und auch im zweiten Teil brillierte die Harfe von Ulla van Daelen, diesmal zu Beginn gleich mit mehreren Stücken. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass zum Transport des Instruments ein größeres Fahrzeug notwendig ist und dass die Harfe ebenso viel kostet wie dieses Fahrzeug. Mit Leichtigkeit griff die Musikerin in die 47 Saiten und zauberte eine Atmosphäre von unglaublicher Dichte in die Buch- und Kunsthandlung. Besinnlich und rhythmisch-beschwingt präsentierte Daelen Weihnachtsmelodien, die sich wohltuend von bekannten Interpretationen unterschieden. Da wurde selbst „Kling Glöckchen“ zu einem neuen Hörgenuss. Beeindruckend auch ihre Variationen über das Lied „Kommet ihr Hirten“. Und die Künstlerin stellte ihr neues, frisch gepresstes Album „Harp goes Pop“ vor: „Es war ein Lieblingswunsch, einige meiner Lieblingslieder auf Harfe zu übertragen.“ Mit ihrer genialen Fassung des Abba-Hits „Money, Money“ stand man plötzlich mitten drin in den Einkaufspassagen, wo einen die Harfenistin mit „Schneeflöckchen Weißröckchen“ schnell wieder abholte. Herrlich makaber war das von Pater Philipp vorgetragene Gedicht „Advent“ von Loriot. Bruder Jakobus und Ulla van Daelen hatten mit „Die Weihnachtsgans“ von Heinz Erhardt und der „Geschichte vom Lametta“ von Markus Simon auch die Lacher auf ihrer Seite. Von erfrischendem Realitätssinn war das von Ulla van Daelen vorgetragene Gebet der Heiligen Teresa von Avila, nachdenklich stimmte Bruder Marianus mit dem „Schlussgebet“ von Hanns Dieter Hüsch. Und bei „Leise rieselt der Schnee“ sang das Publikum aus voller Kehle mit.
Matthias Wilken, Leiter der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, dankte Ulla van Daelen und den Brüdern von Maria Laach, die alle Jahre wieder mit diesem vorweihnachtlichen Akzent ihr Publikum verzaubern. Ein besonderer Dank ging an alle Mitarbeiterinnen, die auch für diesen Abend die Organisation übernommen hatten und das Publikum mit Glühwein und Tee verwöhnten.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Gottvertrauen und das Abenteuer Leben genießen

Notker Wolf sprach im Laacher Forum über das Altwerden und Jungbleiben
 
Viele Menschen hörten im Klosterforum Maria Laach Abtprimas Notker Wolf OSB, der auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach gekommen war. Dieser bot im Laacher Forum einen unterhaltsamen Abend, den auch Interviewer Stefan Wiesner vom Adeo-Verlag sichtlich genoss. Gelassen und mit viel Humor schaut der Mann voller Lebenserfahrungen auf ein reiches Leben.

„So ein Kloster ist ein Sack voller Flöhe“, skizzierte Wolf seine Zeit als Abt. Immer wieder vertraut er sich als Bauherr und Herr über die Finanzen dem Heiligen Joseph an, dessen Bild er allabendlich besucht. Es sei ihm wichtig gewesen, keine Schulden zu machen und erst zu bauen, wenn das Geld da war. Ein schweres Unterfangen, denn die Renovierung historischer Gebäude übersteige den Jahresbedarf eines nur augenscheinlich reichen Benediktinerklosters. „Ich lass es in der Hand Gottes und bete: ‚Herr, wenn es dann anders läuft, dann ist es Deine Sache.‘ Und dann läuft es.“ Seine innere Freiheit habe trotz immer mehr Verantwortung stetig zugenommen. Der Abtprimas muss sich weltweit um 7.500 Mönche und 16.500 Schwestern kümmern. Dabei habe er eigene Grenzen und die Fähigkeit anderer kennengelernt und eine innere Freiheit erlangt, indem er anderen etwas zutraute. Notker Wolf: „Wer anderen nichts zutraut, ist nicht frei. Warum alles im Griff haben? Es läuft auch so ganz gut.“ Auch zur Lebensplanung hat der Benediktiner seine eigene Einstellung: „Ich habe in meinem Leben nie was geplant, weil der Herrgott mir immer was übergestülpt hat.“ Eigentlich wollte Bruder Notker Missionar werden und nicht Erzabt oder Abtprimas. Aber wie sieht es dann mit der Lebensplanung, mit Träume und Erfolg aus, wollte Stefan Wiesner wissen. Notker Wolf antwortete: „Ich darf nie auf den Erfolg schauen, wenn ich für Gott arbeite. Den bekommt man zu seiner Zeit. Erfolg brauche ich nicht zu sehen.“ Aber wenn es nicht der Erfolg ist, so Stefan Wiesner, wo tankt der benediktinische Manager bei nur vier Stunden Schlaf auf? Entspannung holt er sich nachts beim Rocken auf seiner E-Gitarre. Eine seiner Kraftquellen ist, „dass ich bei den Leuten bin, wie heute Abend.“ Nach eigenen Worten ist Notker Wolf kein „Selbstbemitleider. Für Herzinfarkt und Schlaganfall habe ich keine Zeit. Das überlasse ich anderen. Ich bin gut versorgt und habe es doch viel besser als ein Vater mit zwei Kindern. Morgens mache ich Dehnübungen, das habe ich von John Travolta abgeschaut.“ Nach der dreimal heißen und kalten Dusche fühle er sich frisch. Aber auch nach der Dusche ist der Abtprimas kein politisch korrekter Saubermann: „Wenn ich zu einem sage, ich rauche mit Wonne meine Pfeife, dann fallen die Gesichtszüge.“ Viel Gottvertrauen braucht der Gottesmann auch bei seinen zahlreichen Flugreisen: „Wenn ich fliege, habe ich keine Angst, denn ich falle in Gottes Hand.“ Das Aufregen habe er sich auch durch die Fähigkeit abgewöhnt, ein Sandkorn von einem Berg zu unterscheiden. Dabei sei es ihm bewusst, dass „die Tage unserer Reise gezählt sind.“ So strebt er auch mit 75 Jahren nach neuen Abenteuern, „aber immer mit dem Bewusstsein, so viel kann ich nicht mehr machen.“ Das Altern nimmt Notker Wolf von Gott an, aber mit dem nötigen Humor: „Eigentlich ist es zum Schreien komisch und zum Schreien traurig: Die Kräfte nehmen ab – ausgerechnet jetzt, wo wir noch nie so gut waren. Wo wir noch nie so reich waren, reich an Erfahrungen, reich an Wissen, reich an Verständnis, Einsichten und Menschenkenntnis. Haben wir uns das früher nicht immer gewünscht, diese Gelassenheit, diese Selbstsicherheit, diese innere Freiheit, diese Souveränität?“ Mit der Feststellung, die Ewigkeit sei lang und schön, schaut der Benediktiner über dieses irdische Leben hinaus. Mit dem Blick auf Gott gab er den Zuhörern in Maria Laach einen Rat: „Je barmherziger wir mit anderen sind, desto barmherziger ist der  Herr mit uns. Barmherzigkeit ist dringend notwendig.“ Schelmisch und mit wachen Augen hat sich Notker Wolf die Jungenhaftigkeit und Neugierde eines 13-Jährigen erhalten, der auch mal Fünf gerade sein lässt. Anker aber ist sein Glaube: „Was zählt vor ihm noch? Jesus treibt mich an, Menschen zu lieben. Man muss die Leute mögen, das kann man auch noch mit 85. Was kann ich verlieren, außer mein Leben? Das ewige Leben könnte ich noch verlieren. Aber das muss ich dem Herrgott überlassen. Herrgott, wenn Du mich fallen lässt, bist Du es selber schuld.“
Notker Wolf machte mit seinem Humor und mit seinem Glaubenszeugnis den Zuhörern im Klosterforum Mut, sich ebenso in die Hand Gottes fallen zu lassen. Oder, um es mit den Worten des Heiligen Don Bosco zu sagen: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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Reizüberflutung: „Wir überfordern uns selbst“

Michael Winterhoff rät im Laacher Forum, sich der Nachrichtenflut zu entziehen
 
Das Klosterforum war voll besetzt mit Zuhörern, die den Bestsellerautor, Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff hören wollten. Dieser war auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach gekommen. „Mythos Überforderung – Was wir gewinnen, wenn wir uns erwachsen verhalten“ lautete sein Thema. Eltern, die sich über den Erfolg ihrer Kinder definieren und diese zu Partnern machen, Chefs, die ihren Mitarbeitern nichts mehr abverlangen, Menschen, die keine Entscheidungen fällen und Dinge auf die lange Bank schieben.



Die Liste ist lang, und Michael Winterhoff beschrieb, ohne zu verurteilen. Gerne geben wir Verantwortung ab und lassen lieber Apps entscheiden, was wir tun und ändern müssten, so der Referent im Laacher Forum: „Armbänder, die die Schritte ihres Besitzers zählen und berechnen, wie viele Kalorien verbraucht werden. Es scheint uns tatsächlich zu erleichtern, wenn ein Apparat uns sagt: Du hast erst 360 Milliliter Flüssigkeit zu dir genommen. Also trink etwas! Du bist seit 15,32 Stunden wach; geh schlafen! Deine heutige Kalorienaufnahme liegt schon bei 2.815 kcal. Lass die Kekse in der Schublade! Das Problem ist, dass wir das Gefühl für unseren Körper verloren haben und dafür, was psychisch gut für uns ist und was nicht. Denn wir sind mit etwas ganz anderem beschäftigt. Wir haben eine Kette von Beratern, ob das nun persönliche Berater sind oder in Buchform. Alles abdelegiert und von außen bestimmt sein, das ist Kind sein. Wir entmündigen uns selbst und tappen in die Überforderungsfalle."
Dabei will Michael Winterhoff nicht über die digitale Revolution sprechen. Diese sei nicht der Grund einer gestörten Selbstwahrnehmung: „Der eigentliche Grund dafür, dass wir nicht mehr Herr im eigenen Hause sind, liegt woanders: Wir haben Angst.“ Die Menge an Nachrichten, dabei viele schlechte, verunmöglicht uns das Urteil, ob diese Nachricht für mich relevant ist oder nicht. Der Wechsel von Analog auf Digital überrollt die Menschen und überfordert sie. Noch in den 90er Jahren konnte man sich aus dem Nachrichtenstrom zurückziehen. Seitdem ist über Handy und Smartphone ständige Erreichbarkeit angesagt. Der Psychiater gab zu bedenken: „Unser Gehirn kann diese Menge an Nachrichten nicht mehr verarbeiten. Und die Psyche vermag nicht, ihren eigenen Zustand zu beurteilen. Wir Menschen kriegen es nicht mit, wenn wir die Kontrolle verloren haben.“

Dabei ist Michael Winterhoff zuversichtlich, dass wir es lernen werden, mit den elektronischen Medien umzugehen. Und er gab Tipps gegen eine ständige Überforderung. Keine Überforderung bedeutet „erwachsenes Verhalten“, also klare Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und die Fähigkeit, sich abzugrenzen. „Ich übernehme Verantwortung für mich, für andere. Ich treffe Entscheidungen, auch durchaus, welche anderen nicht passen.“ Auch sollten wir uns immer wieder die Frage stellen, „Geh ich ins Internet oder nicht? Nehme ich das Handy mit oder nicht?“ Und er plädierte im Klosterforum für den Sonntag als einen Tag der Ruhe: „Würden wir unserem Gehirn einen Tag multimedial frei gönnen, könnte es sich regenerieren.“
Sind wir nämlich nicht mehr in der Lage, Nachrichten von uns abzuspalten, zu filtern – im Fernsehen gezeigte Katastrophen und weinende Menschen – haben diese Bilder die Macht, uns zu traumatisieren. Neben der Realität ist eine andere Wirklichkeit entstanden, die uns fordert, Angst erzeugt und negativen Einfluss auf unsere Lebensqualität haben kann. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir zu uns kommen“, so Dr. Winterhoff am Ende seines Vortrags. Und er riet zu längeren Waldspaziergängen oder sich einfach für eine halbe Stunde in eine Kirche zu setzen: „Man ist dann ganz auf sich geworfen.“ Viele würden nach dem Lesen seines Buches sagen, „‚ich bin nicht davon betroffen‘ oder ‚das ist aber einfach.‘ Aber sie gehen nicht in den Wald. Man muss sich überwinden.“


Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl
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